Hatte
der Konfuzianismus den Menschen in den Mittelpunkt des Kosmos gestellt,
so war dies für den Taoismus die Natur. Das Yang bedingte ein Ying.
Diese Gegenströmung ging aus von Lao Zi, einem älteren Zeitgenossen
des Konfuzius, dessen Lebensdaten aber nicht genau festzustellen sind.
Neuere Forschungsergebnisse vermuten, dass er im 3. oder 4. Jahrhundert
v.Chr. lebte. Ihm wird "Das Buch vom Weg und der Tugend" (Tao
De Jing) zugeschrieben, das dieser Bewegung seinen Namen gab.
Das taoistische Leben ist voll Einfachheit, Reinheit, Stille und im Einklang
mit der Natur. Der Konfuzianer stand aktiv im Gesellschaftsleben, wollte
es dirigieren; der Taoist zog sich bewusst aus der menschlichen Gemeinschaft
in die Einsamkeit und die Meditation zurück. Jemand der auf dem rechten
Weg (Tao) wandeln wollte, musste sich demütig allem Natürlichen
unterwerfen.
Das Tao ist als das Natürliche erklärt worden, als das Ewige,
Unwandelbare, als die Mutter allen Seins, der Anfang aller Dinge. Aus
dem Tao entsteht alles - auch Yin und Yang. Alles kehrt auch wieder zu
seiner Wurzel zurück. Metaphysisch ist es der Ursprung des "Seins",
obwohl es selbst nichts ist. Um dieses " Nicht-Sein" bildhaft
zu machen, haben sich die Taoisten verschiedene Beispiele einfallen lassen.
So sagen sie: Bei einer Tasse kommt es nicht auf das Porzellan an, das
"ist", sondern auf das hohle Innere, das "nicht ist".
Eine gute Regierung zeichnet sich dadurch aus, dass man nichts von ihr
merkt. Ein Staat ist in Ordnung, wenn der Herrscher zwar "ist"
aber "nicht handeln" muss.
Unser WingTsun steht auch in der Tradition des "Tao" und basiert
zusätzlich auf dem Wu-Wei-Prinzip, welches Bruce Lee im Jahre 1963
wie folgt beschreibt: "Jetzt werde ich nicht mehr abgelenkt von meinem
Gegner oder mir selbst. Ich habe die Technik des Gegners zu meiner gemacht.
Ich muss eins werden mit dem Gegner und handele nach dem Wu-Wei-Prinzip,
entsprechend den Umständen und ohne den Bewegungsablauf vorher zu
planen." |